In Berlin beginnt die Erwerbung Deutsch-Ostafrikas, des wichtigsten deutschen Kolonialgebiets
Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurde die Vorstellung, nach dem Vorbild Frankreichs und vor allem Großbritanniens außerhalb Europas Kolonien zu erwerben, in Deutschland immer populärer. Neue Rohstoffquellen und Absatzmärkte, eine bessere deutsche Position im geopolitischen Raum oder die Möglichkeit, unzufriedene Teile der Bevölkerung mittels Auswanderung „loswerden“ zu können, schienen Vorteile eines Kolonialreichs zu sein. Da Reichskanzler Bismarck aber neue Spannungen mit den anderen Großmächten vermeiden wollte und sich eher ablehnend zeigte, schlossen sich Kaufleute und Unternehmer zusammen, um den Erwerb von „Ackerbau- und Handelskolonien“ für das Deutsche Reich voranzutreiben.
Die am 28. März 1884 in Berlin gegründete „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“ hatte es insbesondere auf Ostafrika abgesehen. Sie schickte eine Expedition dorthin und brachte wie gewünscht „Schutzverträge“ mit einem Dutzend Häuptlingen, welche die Texte weder hatten lesen noch verstehen können, nach Deutschland mit. Erst als Bismarck mit dem Interesse des belgischen Königs an dem Gebiet gedroht wurde, wurde eher widerwillig ein kaiserlicher „Schutzbrief“ für die Region ausgestellt. Auf dieser Basis kam es zu neuen „Schutzverträgen“ mit einheimischen Häuptlingen, und so entstand bald die größte und bevölkerungsreichste deutsche Kolonie: Deutsch-Ostafrika. Sie umfasste die heutigen Staaten Tansania, Ruanda und Burundi.

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